Nach einer langen Vorbereitung geht es auf einmal ganz schnell. Die Stunde der Wahrheit, die immer im Kopf, aber lange Zeit so weit weg war, ist auf einmal da. Damit die Endphase der fünf-monatigen Vorbereitung dann doch nicht zu schnell ging, verbrachten wir ein paar Tage in Südfrankreich. In einfachsten Verhältnissen hatten wir viel Zeit, um uns perfekt auf das Rennen einzustellen.
Schliesslich drückte sich unsere Vorbereitung in einer Mischung aus Energie, Vorfreude, Erwartungen und etwas Nervosität aus.
Aus der dritten Startreihe war ich innert kürzester Zeit an der Spitze. Und als der Europameister Medvedev das Tempo am ersten Anstieg verschärfte, war ich an seinem Hinterrad. Im tiefen Boden hatte ausser dem Griechen Ilias kein anderer eine Chance, unsere Pace mitzugehen. Damit lief es genauso, wie ich es mir gewünscht hatte. Bis zur ersten Feedzone nach 12 Kilometern hatten wir drei steile Anstiege im Europameister-Tempo in den Beinen. Wir hatten nach einer halben Stunde bereits über eine Minute Vorsprung. Der Schlamm und Sand setzte meiner Schaltung leider ziemlich stark zu. So hatte ich immer wieder Probleme und musste, um keinen Kettenklemmer zu riskieren, sehr vorsichtig sein. Mit der Zeit genügte das leider nicht mehr und mir wurde klar, dass ich bei der folgenden Technik-Zone mein Bike waschen und frisch ölen musste. Kopflos weiterzufahren hätte bestimmt einen Totalausfall bedeutet. So musste ich die beiden aber genau vor dem langen flachen Mittelteil ziehen lassen. Dies bedeutete keinen technischen, dafür einen „taktischen Totalausfall“.
Meine ganze Investition während den ersten dreissig Kilometer war also zum Vergessen. Ok, nicht ganz, denn meine Beine hatten die Medvedev-Pace nicht vergessen. Nicht bereit, den dritten Zwischenrang einfach aufzugeben, kämpfte ich gegen eine vierer Gruppe im Rücken – leider chancenlos. Nach einer Stunde Kampf alleine gegen den kalten Wind, genau als das Gelände wieder anspruchsvoller wurde, holten sie mich ein. Meine Beine waren nun so richtig hinüber. Bei Moos Tempoverschärfung hatte ich keine Chance zu folgen. Ich versuchte wenigstens in den coolen Downhills den Flow zu behalten. Ein blockiertes Hinterrad mit einem lauten metallischen Krächzen stoppte mich abrupt. Weil es mir in diesem Moment mehr ums Ankommen als um Sekunden ging, verging etwas Zeit, bis ich den zwei Zentimeter dicken Ast aus Schaltung und Rad entfernen konnte. Nun war ich also an siebter Stelle und wieder alleine. Dafür hatte ich nun genügend Zeit einen guten Rhythmus für die letzten harten fünfundzwanzig Kilometer zu finden. Offenbar gelang mir das recht gut (Wahrscheinlich war es eher so, dass die anderen wesentlich mehr abbauten als ich, denn an einem Marathon ist es ganz ähnlich wie auf einem 8000er, da gibt es keine Erholung.) Drei Kilometer vor dem Ziel war ich nur noch zehn Sekund hinter dem Podest. Nochmals mobilisierte ich alle Kräfte, aber natürlich kämpfte auch Felderer wie ein Löwe. Es reichte nicht mehr für mich, zu viel war schief gelaufen.
Mein Ziel war es, um den Sieg zu kämpfen. Stattdessen war es ein langer einsamer Kampf nachdem sich das Resultat im Ziel sehr enttäuschend anfühlte. Mit etwas Abstand bin ich aber mit meiner Frühform sehr zufrieden. Lieber verliere ich mit technischen Problemen Minuten und verpasse das Podest um Sekunden, anstatt umgekehrt.