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Eindrücke aus dem Höhentrainingslager auf Teneriffa

Während den letzten Tagen zog hier auf Teneriffa eine Sahara-Brise über die Insel. Das Thermometer zeigte während des Trainings bis achtundvierzig Grad an. Zwischenzeitlich waren wir mehr mit der Kühlung als mit Treten beschäftigt. Acht (gewogene!) Kilogramm Flüssigkeit musste unsere Körper innerhalb von fünf Trainingsstunden umsetzen. Das war eine richtige Grenzerfahrung. Natürlich sank dadurch die Trainingsqualität. Aber als Ausdauersportler gehört es eben auch dazu, mit allen Bedingungen fertig zu werden. Die Hoffnung, dass es auf dem Heimweg Richtung Teide mit jedem Steigungsmeter kühler werden sollte, begleitete uns auch bei vierzig Grad Lufttemperatur in über dreissig Prozent steilen Rampen. Mit Andy lässt es sich über fast alles lachen, sogar über Salzränder an den Trikots und kochendes Winforce im Bidon. Es stehen noch fünf Trainingstage an und das Klima sollte in den nächsten Tagen humaner werden. Nach der etwas brutalen Akklimatisation wird sich alles etwas leichter und cooler anfühlen.

Höhentrainingslager auf Teneriffa

Nach einer ruhigen Woche zu Hause fliege ich mit dem Duathlon Weltmeister Andy Sutz auf den Mond. Am Montag geht es für ein zweiwöchiges Höhentrainingslager nach Teneriffa. Ich habe mir dort schon oft ganz alleine den Schliff für die Saison geholt. Nun freue ich mich, mit Andy einen super starken Trainingspartner mit dabei zu haben.
In der Vergangenheit habe ich meine gute Form zu oft mit zu vielen Trainingskilometern kaputt gefahren. Dieser Monat Mai, ohne zählende Marathonveranstaltungen wäre prädestiniert, um sich müde zu trainieren. Weil meine Form gut ist und es keine Rennen gibt, habe ich diese Woche Pause gemacht und das „normale“ Leben etwas genossen. Nun freue ich mich sehr auf zwei konzentrierte Wochen auf dem Teide. Dort gibt es keinen deutschen Fernsehsender und auch kaum Daten für das I Phone, dafür viele lange Aufstiege und immer einen Heimweg mit 2‘000 Höhenmetern am Stück. Perfekte Voraussetzungen, um ein paar Leistungsprozente zu gewinnen.

Gönnertour auf Weiteres verschoben

„Ein Champion zeichnet sich durch Gelassenheit aus.“
Es soll nicht sein. Darum sparen wir unsere Energie für einen schöneren Tag, genauso wie es Tomi zur Zeit im Training macht. Die Form ist da, darum lieber einen Tag mehr Pause, dafür einen weiteren Vollgas anstatt halbe Sachen.

Wir sehen uns am 25. Mai im trockenen und gemütlichen Weinkeller!

Simone

Podestplatz in Riva

In Form zu sein, ist ein wunderschönes Gefühl. Es bedeutet aber auch immer Druck zu spüren, das Erarbeitete in ein entsprechendes Resultat umzusetzen. Ich wusste um meine Form und mir war sehr klar, um was es hier in Riva del Garda beim Festivalmarathon geht. Ich war nervös und konnte die Energie daraus so richtig fühlen.
Dementsprechend präsent war ich nach den Positionskämpfen auf den ersten flachen Kilometern. Ich führte das Feld in den ersten Aufstieg und hielt mich von da an problemlos immer in den ersten drei Positionen. Ganz leichtfüssig wirbelten meine Beine, es war eine richtige Freude.
Mit sieben anderen Top-Athleten kam ich nach dem ersten Berg auf die lange Fläche – perfekt. Vor dem unrhythmischen Mittelteil verpflegte ich mich nochmals richtig gut. Ja, meine Supporter machten einen grossartigen Job. Ich werde nochmals auf Sie zurückkommen. Obwohl ich während des Rennens Zeit fand, mich auf die harten Rampen einzustellen, brachten sie mich doch ganz schön in Rücklage. Ich verlor mehrmals den Anschluss, war aber vor dem Schlussanstieg doch wieder in der Spitzengruppe mit fünf Fahrern. Dafür musste ich aber viel investieren, Energie, dir mir am Schlussberg fehlen sollte.
Unten am Berg versuchte ich mit einer Tempoverschärfung vor meinem Untergang zu flüchten. Lakata (A), Moos (CH), Mennen (A) und Kaufmann (D) liessen sich aber nicht abschütteln und in der Folge war ich es, der unter Lakatas Tempodiktat zuerst reissen lassen musste.
Von der fünften Position, mit richtig schweren Beinen sah das Rennen ganz anders aus als am ersten Berg. Aber es machte für mich nichts aus, ich kämpfte weiter als wäre ich noch dabei. Denn ich war ja noch dabei und das Ziel noch weit weg. Bald sah ich Mennen vor mir. Ganz oben überholte ich ihn. Vor der Abfahrt bekam ich als vierter einen Rückstand von 1min 15s mitgeteilt. Als vierter hast du nicht viel zu verlieren und in der Abfahrt eine Minute gut zu machen traute ich mir durchaus zu. Für mich und auch für meine Familie und Freunde an der Strecke, die auch alles gegeben haben, gab ich nun auch alles. Ich riskierte wirklich viel, driftete jede Kurve und trat wo es nur ging. Dank der perfekten Verpflegung fühlte ich eine geniale Körperspannung, die es mir erlaubte, das schwimmende Bike immer wieder in die richtige Richtung zu lenken. Drei Kurven vor den letzten sieben flachen Kilometern sah ich das weisse Trikot des ehemaligen Weltmeisters Lakata vor mir.
Mit Laktat zusammen ging es wie im Schnellzug Richtung Riva zurück. Wir kamen dem zweit platzierten Kaufmann immer näher, liessen ihn aber bewusst im Wind „verhungern“. Fünfhundert Meter vor dem Ziel waren wir dran. Nach dem ich ein kreuzendes Auto abgewartet hatte, attackierte ich mit allem was ich noch hatte. Tief geduckt, den grössten Gang kurbelnd flog ich durch Riva. Bis mir auf der letzten Kreuzung, hundert Meter vor dem Ziel, eine Frau in den Tunnelblick lief. Ich musste bremsen, sonst hätte es für uns beide ganz schlimme Folgen gehabt. Lakata konnte dank seines Rückstandes den Schwung mitnehmen und gewann den Sprint um zwei Zehntel. Weil Sieger Moos wegen seines Jahrgangs in der Masters Kategorie gewertet wurde, habe ich also nicht nur den Sprint, sondern auch den Sieg verloren. Dafür sind alle gesund und ich trotzdem richtig happy.

Morgen geht es um viel Ehre!

In diesen Tagen bevölkern Tausende von Bikern Riva del Garda. Alles dreht sich um die zwei Räder, eine verrückte Stimmung, eine verrückte Welt. Der Marathon am Sonntagmorgen um 7:45 Uhr ist ein Highlight des Festivals. Das Ambiente und die extrem starke Konkurrenz machen das Rennen zu einem richtigen Prestige-Kampf. Nach 105 Kilometer und 3500 Höhenmeter will jeder der zwanzig Top-Athleten am Schluss zu vorderst sein. Es geht um keinen einzigen UCI Punkt und nur um wenig Geld, dafür um richtig viel Ehre.
Ich stand hier schon auf allen drei Stufen des Podests. Egal welche Stufen, es war immer ein riesiger Erfolg für mich. Nun stehen die Vorzeichen gut, dass ich auch am Sonntag die Chance auf einen Platz im Rampenlicht haben werde. Aber zuerst muss ich hart kämpfen, klug fahren und dann noch etwas über mich hinauswachsen.
Wie immer kommentiert Simone das Rennen hier live: Start 7:45 Uhr

Interview im Schaffhauser Fernsehen

Am Montag, 16. April 2012 wird im Schaffhauser Fernsehen das Interview mit Thomas Stoll ausgestrahlt. Um 18:15 Uhr berichtet der Schaffhauser in der Sendung “Seitenlinie” über die bevorstehende Saison. Das Sportmagazin Seitenlinie wird stündlich wiederholt, kann aber auch über das Internet verfolgt werden.

Rennemotionen in Südfrankreich

Nach einer langen Vorbereitung geht es auf einmal ganz schnell. Die Stunde der Wahrheit, die immer im Kopf, aber lange Zeit so weit weg war, ist auf einmal da. Damit die Endphase der fünf-monatigen Vorbereitung dann doch nicht zu schnell ging, verbrachten wir ein paar Tage in Südfrankreich. In einfachsten Verhältnissen hatten wir viel Zeit, um uns perfekt auf das Rennen einzustellen.
Schliesslich drückte sich unsere Vorbereitung in einer Mischung aus Energie, Vorfreude, Erwartungen und etwas Nervosität aus.
Aus der dritten Startreihe war ich innert kürzester Zeit an der Spitze. Und als der Europameister Medvedev das Tempo am ersten Anstieg verschärfte, war ich an seinem Hinterrad. Im tiefen Boden hatte ausser dem Griechen Ilias kein anderer eine Chance, unsere Pace mitzugehen. Damit lief es genauso, wie ich es mir gewünscht hatte. Bis zur ersten Feedzone nach 12 Kilometern hatten wir drei steile Anstiege im Europameister-Tempo in den Beinen. Wir hatten nach einer halben Stunde bereits über eine Minute Vorsprung. Der Schlamm und Sand setzte meiner Schaltung leider ziemlich stark zu. So hatte ich immer wieder Probleme und musste, um keinen Kettenklemmer zu riskieren, sehr vorsichtig sein. Mit der Zeit genügte das leider nicht mehr und mir wurde klar, dass ich bei der folgenden Technik-Zone mein Bike waschen und frisch ölen musste. Kopflos weiterzufahren hätte bestimmt einen Totalausfall bedeutet. So musste ich die beiden aber genau vor dem langen flachen Mittelteil ziehen lassen. Dies bedeutete keinen technischen, dafür einen „taktischen Totalausfall“.
Meine ganze Investition während den ersten dreissig Kilometer war also zum Vergessen. Ok, nicht ganz, denn meine Beine hatten die Medvedev-Pace nicht vergessen. Nicht bereit, den dritten Zwischenrang einfach aufzugeben, kämpfte ich gegen eine vierer Gruppe im Rücken – leider chancenlos. Nach einer Stunde Kampf alleine gegen den kalten Wind, genau als das Gelände wieder anspruchsvoller wurde, holten sie mich ein. Meine Beine waren nun so richtig hinüber. Bei Moos Tempoverschärfung hatte ich keine Chance zu folgen. Ich versuchte wenigstens in den coolen Downhills den Flow zu behalten. Ein blockiertes Hinterrad mit einem lauten metallischen Krächzen stoppte mich abrupt. Weil es mir in diesem Moment mehr ums Ankommen als um Sekunden ging, verging etwas Zeit, bis ich den zwei Zentimeter dicken Ast aus Schaltung und Rad entfernen konnte. Nun war ich also an siebter Stelle und wieder alleine. Dafür hatte ich nun genügend Zeit einen guten Rhythmus für die letzten harten fünfundzwanzig Kilometer zu finden. Offenbar gelang mir das recht gut (Wahrscheinlich war es eher so, dass die anderen wesentlich mehr abbauten als ich, denn an einem Marathon ist es ganz ähnlich wie auf einem 8000er, da gibt es keine Erholung.) Drei Kilometer vor dem Ziel war ich nur noch zehn Sekund hinter dem Podest. Nochmals mobilisierte ich alle Kräfte, aber natürlich kämpfte auch Felderer wie ein Löwe. Es reichte nicht mehr für mich, zu viel war schief gelaufen.
Mein Ziel war es, um den Sieg zu kämpfen. Stattdessen war es ein langer einsamer Kampf nachdem sich das Resultat im Ziel sehr enttäuschend anfühlte. Mit etwas Abstand bin ich aber mit meiner Frühform sehr zufrieden. Lieber verliere ich mit technischen Problemen Minuten und verpasse das Podest um Sekunden, anstatt umgekehrt.

Am Sonntag zählt es!

Was hätte ich nur mit meiner Energie gemacht? Wie hätte ich die Spannung, Konzentration und Konsequenz bis Anfang Mai erhalten sollen? Und wie hätte ich mich nach fünf Monaten Training für einen weiteren Monat motivieren sollen?
Dank dem zur UCI MTB Marathon Serie zählenden Marathon Roc Laissagais hier in Laissac (F) muss ich mich zum Glück all diesen Fragen nicht stellen. Am Sonntag geht es los.
Wir sind also sicher nicht nur zum Spass achthundert Kilometer Auto gefahren. Wobei wir uns sehr freuen hier zu sein und die Strecke sehr viel Spass macht. Steile ruppige Anstiege wechseln sich mit flowigen Singeltrailpassagen ab. Erholung gibt es fast keine, aber das braucht es auf vierundachtzig Kilometern auch nicht. Die Strecke entspricht so ziemlich dem Spielplatz um Massa Marittima in der Toskana, das Training dort war also die perfekte Vorbereitung.
Die Konkurrenz kommt aus der ganzen Welt und wird sehr stark sein. Mehr weiss ich nicht und ich will auch gar nicht mehr wissen, denn mein Resultat wird ganz alleine von mir abhängig sein.
Am Sonntag um 9:15 startet meine Saison, dann zählt es! Simone wird versuchen live zu berichten (Auf der Webseite unten rechts über Twitter).

BMC Racing Cup Buchs

Der Racer-Grand-Prix (Benis Ansage im Sportpanorama) war für mich der Abschluss einer sehr intensiven, zweiwöchigen Trainingsbelastung. Die Zeit war so intensiv, dass ich am Sonntagmorgen fast Forfait gegeben hätten. Nun waren wir aber doch in Buchs am BMC Racing Cup und ich freute mich.

Mit Startnummer 70 stand ich im Stau der ersten Runde hinten an. Natürlich wäre mit mehr Ellbogeneinsatz der eine oder andere Platzgewinn drin gelegen. Dafür fehlten mir aber die Kampfhormone. Ich hatte meine Aufholjagd auf später geplant. Als wir uns dann langsam dem Hundschopf näherten, wurde mir etwas mulmig. Ich hatte die Strecke nicht gesehen und wusste darum nicht, wo die gute und wo die schlechte Linie war. Als Freund Clavi (Speaker am Hundschopf) dann noch erwähnte, dass bisher alle Fahrend heruntergekommen seien, da wurde ich leicht nervös. Ich hatte wirklich keine Lust vor diesem riesen Publikum den Hundschopf als erster fliegend zu bewältigen.

Im obersten Drittel des Anstiegs, dort wo die CC-Piloten vom Laktat geplagt wurden, wechselte ich jeweils auf die linke Spur und machte Rang um Rang gut. Mir fehlten jedoch die letzte Kraft und der Wille, um richtig in die Pedalen reinzuhauen. Meine konstante Pace reichte aber schliesslich für den guten 24. Rang.

Die Stimmung, das dynamische Fahren, coole Strecken – ich verspüre etwas Lust, mich mal wieder so richtig auf eine Cross Country Schlacht vorzubereiten und die eine oder andere Sekunde zu suchen.

Vom Spielplatz rund um Massa Marittima

Während den letzten Monaten habe ich immer nach Zahlen trainiert. Watt, Zeit und Puls steuerten meine Trainingsrunden. Heute setzten sich alle Intervalltrainings zusammen und wurden zur Nebensache.
Dreht die Uhr zurück und stellt euch vor, ihr befindet euch auf eurem Lieblingsspielplatz eurer Kindheit. In eurer Welt, dort wo alles andere drum herum völlig nebensächlich wird. Könnt ihr diese Momente beschreiben?
Hier um Massa Marittima ist DER Spielplatz für Cross Country Biker. Kaum in den Trails war ich wie im Rausch. Es fühlte sich alles so leicht an. Training oder Tour, nein. Es war wie früher auf dem Spielplatz. Diese Stunden heute waren ein unvergesslicher Lohn für die ganze Konsequenz während den letzten Monaten. Für genau diese Tage lebe ich den Sport. Vielleicht noch mehr als für die mit den Startnummern.
Morgen werden wir wieder spezifisch für die Tage mit den Startnummern arbeiten. Es steht ein weiteres Intervalltraining auf dem Programm. Ich freue mich mit den Jungs durch die Trails zu heizen und uns in den knackigen Anstiegen zu pushen.